VSOP ist kein HR-Thema, es ist ein Cap-Table-Thema. Die Entscheidungen, die vor dem ersten Vertrag getroffen werden, bestimmen, wie viel von der Bewertungssteigerung beim Exit noch bei den Gründern ankommt. Was ich in der Begleitung von Seed- und Series-A-Prozessen regelmäßig sehe: Das Programm wurde eingerichtet, als der erste gute Hire abzuspringen drohte. Die Poolgröße wurde geschätzt, nicht gerechnet. Der erste VC hat beim Term Sheet einen Option Pool Shuffle verlangt, den niemand erwartet hatte.
Drei Entscheidungen vor dem ersten VSOP-Vertrag
Wann ein VSOP-Programm eingerichtet wird, für wen es gilt und wie groß der Pool ist, sind drei voneinander abhängige Fragen. Wer sie in der falschen Reihenfolge beantwortet oder eine davon überspringt, kauft sich Probleme. Wer zu früh anfängt, verteilt Anteile, bevor klar ist, wer wirklich bis zum Exit dabei bleibt. Wer zu spät anfängt, verliert die besten Kandidaten an Unternehmen, die längst ein strukturiertes Programm haben.
Wann ist der richtige Zeitpunkt
VSOP entfaltet nur Bindungswirkung, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Ein Exit ist realistisch genug, dass die Person den fiktiven Wert ihrer Anteile ernst nimmt. Und die Person bleibt wahrscheinlich lange genug, um diesen Exit tatsächlich zu erleben. Bei Mitarbeiter eins und zwei treffen diese Bedingungen selten zu.
In der Praxis wird VSOP ab dem Moment relevant, wo Schlüssel-Hires zwischen einem etablierten Arbeitgeber und dem Startup abwägen. Das ist typischerweise ab Mitarbeiter fünf bis zehn, nicht davor. Frühere Mitarbeiter werden meist über direkte Beteiligung oder Gründer-ähnliche Konditionen eingebunden, die eigene Überlegungen erfordern. Wer zu früh ein VSOP-Programm aufsetzt, vergibt Poolanteile, bevor die wirklich kritischen Rollen besetzt sind.
Die andere häufige Fehlentscheidung ist, VSOP nach der Series A einzurichten. Dann sind alle Bewertungen gesetzt. Anteile bei einer Post-Money-Bewertung von 15 Millionen Euro haben für einen Head of Engineering einen anderen psychologischen Wert als dieselben Anteile bei 3 Millionen. Der Zeitpunkt bestimmt den empfundenen Wert mehr als die absolute Prozentzahl.
Für wen: Mitarbeiter, Advisor und wer leer ausgeht
Nicht jede Rolle rechtfertigt VSOP. Und nicht jede Person, die VSOP bekommt, sollte dieselben Konditionen erhalten. Zwei Gruppen unterscheiden sich grundlegend: angestellte Mitarbeiter und externe Berater. Die Vertragsstruktur, die Vesting-Logik und die steuerliche Behandlung sind verschieden.
Mitarbeiter nach Rolle
Die folgenden Bandbreiten spiegeln wider, was ich in der Begleitung von Seed- und Series-A-Prozessen im deutschsprachigen Raum gesehen habe. Kein verbindlicher Marktstandard, aber eine brauchbare Orientierung. Entscheidend ist die Phase: Je früher der Hire, desto höher der Anteil. Je zentraler die Rolle für das Kerngeschäft, desto mehr Verhandlungsspielraum.
| Rolle | Orientierungswert | Vesting |
|---|---|---|
| CTO / CPO (sehr früh, quasi Co-Founder-Nähe) | 1–3 % | 4 Jahre, 1 Jahr Cliff |
| VP Engineering / Head of Engineering | 0,3–1 % | 4 Jahre, 1 Jahr Cliff |
| Erste Senior Engineers (Hire 5–15) | 0,1–0,5 % | 4 Jahre, 1 Jahr Cliff |
| Head of Sales / VP Sales | 0,2–0,5 % | 4 Jahre, 1 Jahr Cliff |
| Head of Marketing | 0,1–0,3 % | 4 Jahre, 1 Jahr Cliff |
| Reguläre Mitarbeiter ab Hire 20+ | 0,05–0,15 % | 4 Jahre, 1 Jahr Cliff |
Das 1-Jahr-Cliff ist Standard: Wer vor dem ersten Jahr geht, geht ohne etwas. Danach vestiert monatlich oder quartalsweise über drei weitere Jahre. Das schützt das Startup vor dem Szenario, dass jemand früh ausscheidet und trotzdem einen signifikanten Poolanteil mitnimmt.
Advisor nach Typ
Externe Berater, Branchen-Advisors und strategische Angels können in ein VSOP-Programm aufgenommen werden, auch ohne Arbeitsverhältnis. Das klingt selbstverständlich, ist in der Praxis aber kaum strukturiert dokumentiert. Zwei Punkte unterscheiden Advisor-VSOPs von Mitarbeiter-VSOPs wesentlich.
Erstens ist die Vertragsgestaltung freier. Bei angestellten Mitarbeitern setzt das Arbeitsrecht Grenzen, wie weit Verfallklauseln für gevestete Anteile reichen dürfen. Bei Beratern ohne Arbeitsverhältnis gibt es diese Einschränkung nicht. Der Vertrag kann enger an den tatsächlichen Beitrag geknüpft werden.
Zweitens unterscheidet sich die steuerliche Behandlung. Auszahlungen aus Advisor-VSOPs werden nicht als Arbeitslohn behandelt, es fällt keine Lohnsteuer und keine Sozialversicherungspflicht an. Was im Einzelfall gilt, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab und gehört zum Steuerberater, nicht in einen Gründer-Schnellentscheid.
| Advisor-Typ | Orientierungswert | Vesting |
|---|---|---|
| Strategischer Angel / VC-Türöffner | 0,1–0,5 % | 1–2 Jahre, kein oder 3-Monats-Cliff |
| Operator / Branchenexperte | 0,05–0,2 % | 1–2 Jahre |
| Domain Expert, punktuell tätig | 0,05–0,1 % | 12 Monate, kein Cliff |
Wer leer ausgeht
Wer kein VSOP bekommen sollte: projektbezogene Dienstleister mit kurzer Laufzeit, Berater die wahrscheinlich vor dem Exit ausscheiden, und Rollen ohne langfristiges Commitment. Ein Programm, das zu viele Personen einschließt, erzeugt zwei konkrete Probleme. Der Pool läuft früher leer als geplant. Und künftige VCs sehen im Datenraum einen fragmentierten Beteiligungskreis, der Fragen aufwirft.
Wie groß sollte der Pool sein, und was der Option Pool Shuffle kostet
Die Poolgröße ist die Entscheidung, bei der ich die größten Unterschiede in der Vorbereitung von Gründern sehe. Wer zu wenig reserviert, bekommt das Problem nicht sofort, sondern beim Term Sheet der Series A. VCs verlangen typischerweise einen verfügbaren Option Pool von 10–15 % post-money. Ist der bestehende Pool kleiner, fordern sie eine Erhöhung vor dem Investment. Die Konsequenz: Diese Erhöhung verwässert die bisherigen Gesellschafter, nicht den neuen Investor.
Ein Beispiel mit konkreten Zahlen. Pre-Money-Bewertung 8 Millionen Euro, 2 Millionen Euro neues Kapital in der Runde.
| Szenario | Pool vor Runde | Anpassung nötig | Gründer-Anteil nach Runde |
|---|---|---|---|
| Pool zu klein, Erhöhung auf 12 % erforderlich | 8 % | Ja, vor Closing | ca. 62 % |
| Pool richtig dimensioniert | 13 % | Nein | ca. 68 % |
Sechs Prozentpunkte klingen nach wenig. Bei einem Exit zu 30 Millionen Euro sind das 1,8 Millionen Euro Unterschied für die Gründer. Der Option Pool Shuffle ist keine Ausnahme, sondern ein Standardwerkzeug, das viele VCs routinemäßig einsetzen. Wer ihn kennt und den Pool vorher richtig dimensioniert, ist in einer anderen Verhandlungsposition.
Ein VSOP-Programm, das zum Zeitpunkt der Due Diligence vollständig dokumentiert ist, mit klarer Poolgröße, bekannten Empfängern und einheitlichen Konditionen, ist im Datenraum ein Positivsignal. Es zeigt, dass die Gründer die Cap-Table-Konsequenzen verstanden haben, bevor der VC sie erklären musste.
Ich empfehle, 10–13 % pre-money vor Series A zu planen und davon 3–5 % als Reserve für Hires nach der Runde freizuhalten. Nicht alles sofort vergeben. Ein Programm, das beim Term Sheet bereits zu 90 % ausgeschöpft ist, signalisiert dem Lead-Investor, dass für sein Wachstumsteam kein Spielraum bleibt. Das ist kein starkes Verhandlungsargument.
VSOP für Mitarbeiter oder Wandeldarlehen für Berater
Wer Berater und Advisors einbinden will, hat zwei Instrumente zur Auswahl, die unterschiedliche Logiken verfolgen. VSOP ohne Kapital bindet Expertise und Zeit. Kein Cash-Ausgang für das Startup, Auszahlung nur im Exit. Das ist das richtige Instrument für jemanden, der Netzwerk und operative Erfahrung einbringt, aber nicht investieren will.
Das Wandeldarlehen folgt einer anderen Logik: Es bringt Kapital und wandelt sich bei der nächsten Finanzierungsrunde in Anteile um. Für Berater, die investieren wollen und gleichzeitig operativen Mehrwert liefern, schließen sich beide Instrumente nicht aus. Ein strategischer Angel kann gleichzeitig ein Wandeldarlehen halten und VSOP-Anteile erhalten, wenn sein Beitrag beides rechtfertigt. Das ist seltener, als man denkt, aber es kommt vor.
